Orientierung: Mischformen von Ketten- und Plattenrüstungen? (14.Jhd. ?)

This site may earn a commission from merchant affiliate links, including eBay, Amazon, and others.
Registriert
23. Nov. 2011
Beiträge
23
Reaktionspunkte
0
Ort
93047 Regensburg
Hallo ihr lieben Leut, nachdem ich mich längere Zeit mit dem früheren Mittelalter beschäftigt und da schon länger meine Gewandung habe, rückt mein Interesse langsam aber sicher in Richtung des 14. Jahrhunderts und ich möchte gern eine Darstellung dieser Zeit angehen, allerdings konnte ich bisher noch nicht so genau festlegen. Während ich mit meinen Recherchen zur zivilen Kleidung schon recht weit bin, hapert es jetzt ein wenig mit der Rüstung, in diesem Bereich kenne ich mich leider generell nicht so gut aus, also hoffe ich, ihr könnt mir da etwas unter die Arme greifen. Generell gefallen mir Stile gut, bei denen Ketten- und Plattenrüstungen gemischt wurden, man also mehr oder minder einen Mittelweg einschlug. Nicht allein eine Kettenrüstung und einen Helm, aber auch nicht den gotischen Ritter im kompletten Plattenpanzer. Nun bin ich mir aber gar nicht so sicher, ob das in meine angestrebte Zeit fällt - kennt sich da jemand aus? Mein Hauptproblem war bisher immer, dass auf den historischen Darstellungen dieser Zeit meist nur Persönlichkeiten wie Könige oder Herzöge zu sehen sind, die alle zwar noch ein Kettenhemd tragen, aber sonst schon vollkommen in eine Plattenrüstung gehüllt sind - in der Zeit davor finde ich hingegen kaum etwas, das von der Kettenrüstung großartig abweicht. Entweder, das was ich mir vorstelle gab es nur in einem kurzen Zeitraum oder vielleicht auch gar nicht, oder aber ich suche falsch. Ich hätte mir beispielsweise vorgestellt, zu einem Kettenhemd (evtl. mit Haube) eine Beckenhaube/Bascinet zu tragen, dazu einen Brustpanzer mit Schulterplatten, Eisenhandschuhen und Arm- und Beinschienen, oder etwas in der Richtung. Da ich mich da aber wie gesagt nicht so gut auskenne, bin ich nicht sicher, ob das so überhaupt geht bzw. Sinn ergibt. Speziell zum Kettenhemd noch eine Frage: Liege ich da richtig, dass im 14. Jahrhundert die Kettenhemden meistens kürzer und eher nur halbarm waren? Das wär's so weit mal, ich sage schon mal vorweg: :danke für eure Hilfe!
 
Hallo, das ist (wie in deinem anderen Thread gesagt wurde) alles sehr, sehr schwer zu pauschalisieren. Du müsstest Region, Darstellungszeit / Epoche (am besten auf max 10-20 Jahre) und die Darstellung selbst viel präziser benennen, damit man dir da genau helfen kann. Auch hier wieder der Hinweis, dass du dir die Seiten bekannter Darsteller anguckst und dann dir in Ruhe überlegst, was davon zu dir passen könnte. Ich würde dir auch empfehlen, dass du zu Gruppen und Darstellern aus deiner Gegend (in Bayern kenne ich einige sehr nette und fähige Menschen *wink*) den Kontakt aufnimmst. Im mittleren-späten 13. JH kommen sogennante Plattenröcke auf (einzelne Platten auf ein Trägermaterial geheftet), sowie (je nach Quelle, Reion und Interpretation) einzelne Plattenteile, wie einfache Beinschienen oder Ailettes (Schulterplatten, die aber eher was von ner rechteckigen Platte haben und nicht ergonomisch sind - kannst du in französischen Quellen und etwa der Manesse häufig sehen). Die Beckenhaube gibt es auch in zich Entwicklungsformen und Ausprägungen (später etwa als "Hundsgugel", z.B. der Coburger-Typ) bis ins 15. JH hinnein und entwickelte sich vermutlich aus der Hirnhaube. Im Laufe des 14. JH kommen dann die Lentner als Weiterentwicklungen der Plattenröcke und noch später die Brigatinen auf. Im 14. JH werden dann auch Armschienen, Beinschienen usw. üblicher, generell gibt es viele verschiedene Entwicklungen mit z.T. gewaltigen Unterschieden. Was du da nennst klingt aber nach einer typisch gotischen Plattenrüstung des ausgehenden Mittelalters und der frühen Neuzeit, sprich ab etwa Mitte-Ende des 15. JH, wie man sie z.B. auf der Internetseite von Herrn Jens Börner (http://www.diu-minnezit.de/indexfrm.php?tid=4) sehen kann. Auch sollte dir klar sein, dass so ein Rüstzeug mehrere tausend Euro kosten kann, wahrscheinlich auch wird. Deshalb wieder der Hinweis: Beginn besser mit deiner zivilen Darstellung, für die gängigen Feldschlachten o.ä. brauchst du auch garnicht unbedingt schweres Rüstzeug, eher im Gegenteil. Die Sache mit dem Kettenhemd ist etwas problematischer und schwer in der Kürze abzuhandeln und zu pauschalisieren, aber im 14. JH und auch im 15. JH. sollte die Form (noch) passen. Ich würde dir vorschlagen, dass du dir ggf. mal Quellen aus der Zeit zwischen 1350-1390 (etwa Wisby) anschaust. Das könnte am ehesten deinen Vorstellungen entsprechen. Einfach mal hier ein wenig stöbern: http://manuscriptminiatures.com/ PS: Meine Ausführungen habe ich flott aus dem Kopf zusammengezimmert und will dir damit nur eine grobe Einordnung geben - auch will ich keine Diskussionen führen, dass es dieses und jenes doch schon dann und dann gegeben haben mag. Gerne kann ich einzelne Dinge auch genauer erläutern odern Quellen nennen. Ich bereite gerade die Darstellung eines adeligen, norddeutschen Patriziers um 1360-1380 vor und bin sonst im 13. JH angesiedelt - alles was daraus hinnaus geht ist jedoch nichtmehr mein Gebiet. Viele Grüße
 
Zuletzt bearbeitet:
Hi, Ich habe leider heute nicht genug Zeit um hier einen Text zu posten, deswegen verlinke ich zumindest mal das berühmteste Beispiel für diese Kettenhemdärmel-Geschichte. http://www.twcenter.net/forums/picture.php?albumid=705&pictureid=19279 Quelle: www.twcenter.net Es handelt sich dabei um die Matsch´sche Rüstung von der Churgburg (Tirol). Wie du siehst gehen die Ärmel bis kurz über die Ellenbogen, eben dort, wo die Armschienen "offen" sind. Von der Länge des Kettenhemds her ist das Bild selbsterklärend.
 
@vonJunningen: Das ist mir bewusst, und gerade mit den extremen Unterschieden und Variationen in dieser Zeit habe ich ein paar Schwierigkeiten. Grundsätzlich würde ich vermuten, dass es in Richtung des frühen 14. Jahrhunderts, etwa 1320 gehen würde. Die Örtlichkeit würde ich grob auf süddeutschen Raum festmachen, obgleich ich sagen muss, dass mich auch die englischen Rüstungen der Zeit interessieren. @Hermann von Eykstern: Ich nenne sowohl die Darstellung eines städtischen Bürgers um 1150 als auch Mitgliedschaft in einem sehr schönen Mittelalterverein mein Eigen :), ebenso habe ich schon so manche Recherchearbeit hinter mir. Der angesprochene Thread ist nicht von mir, ich habe mir diesen Account geteilt. Man hätte das wohl dazusagen sollen, allerdings treibe ich mich nur selten in Internetforen herum, also habe ich da ehrlich gesagt nicht dran gedacht. Entsprechende Person ist inzwischen auch nicht mehr in meinem Freundeskreis, um den Thread zu löschen werde ich aber einen Mod bitten müssen, oder? Meine Anfrage kam eigentlich mehr aus der Frage heraus zu stande, in welcher Zeit ich beschriebene Kombinationen von Rüstungen finden kann, da meine Recherchen auf das 14. Jahrhundert bezogen in Bereich Rüstung eher erfolgslos waren. Schon mal vielen Dank für deine Beschreibung, das ist schon mal hilfreich - aber von dir genannte typisch gotische Rüstung kommt mir da dann doch eher zu spät vor, jedenfalls am "Plattenanteil" bemessen. ?( Das von dir genannte Kettenhemd klingt gut, ich werde mich da mal hinter klemmen, in Visby war ich sogar, wie es der Zufall will im letzten Sommer. :D @Patty: Danke für das Bild, das geht schon recht gut in die Richtung, die ich mir vorgenommen hatte!
 
@Patty Nun bin ich wirklich kein Spezialist für diesen Rüstungstyp, aber bin mir etwas unsicher, ob dieses Stück für unsere Gefilde überhaupt repräsentativ ist bzw. stammt dieses Stück wohl aus dem italienischen Raum und ist eher die Ausnahme, oder? @Ritter von Taeuffenbach Afaik ist die Matsche Rüstung eher ins mittlere-späte 14. JH anzusiedeln, also definitiv etwas "zu spät" für dich. Wisby wäre 1361, allerdings wurden dort auch einige offensichtlich "veraltete" Rüstungsstücke gefunden. Das musst du dann aber ggf. mit weiteren Quellen absichern. 1320 ist auf jeden Fall mal eine konkrete Zeit. Ich nehme mal an, auch weiterhin eher der süddeutsche Raum und es bleibt beim Ritter, richtig?
 
Ich habe mir jetzt auch noch ein wenig mehr Bildmaterial von der Matsche-Rüstung besorgt und es stimmt, diese ist wohl einiges später anzusiedeln und sie hat mir alles in allem auch zu viel Plattenrüstung, es ist eben nur noch ein Kettenhemd druntergezogen. Ich kann mich erinnern, dass es im Museum in Wisby ein solches Kettenhemd gab, ich müsste aber erst meine Fotos finden, um mich genauer daran zu erinnern. Veraltet ist sicher manches davon, aber welcher einfachere Ritter hatte auch das Geld, sein Rüstzeug alle zehn Jahre zu erneuern? Beim Ritter und dem süddeutschen Raum würde ich so weit bleiben, wie gesagt, mit Zivildarstellungen habe ich schon mehrere Jahre Erfahrung, in punkte ausgewachsener Ritterdarstellung ist dies hingegen das erste richtige Projekt, das ich angehen will. Was die Zeit betrifft würde ich, auch dem nach was du sagtest erst einmal bleiben, sollte es aber einen Zeitraum geben, der die Ketten-Platten-Mischform besser belegen kann, dann wäre ich noch bereit in der Zeit etwas umzuschwenken.
 
Kennst du zufällig Andreas Bichler? Historia Vivens ist zwar um 1300 angesiedelt, aber die Darstellung ist herrausragend. "Der klassische Ritter" (wie etwa auch in der Manesse dargestellt) passt auch noch gut für die Zeit um 1320. Hier mal der Link zu der Historia Vivens Website: http://www.historiavivens1300.at/hv1300.htm Die Darstellung könntest du dann ggf. mit nem anderen Plattenrock-Typ, extra Kettenhaube und Handschuhen, einem anderen Helmtypus (z.B. ein Kübelhelm mit Hirnhaube evtl. auch ein Sugarloaf, Bascinet mit frühem "Klappvisier" o.ä.) und einzelnen Plattenelementen (Knie, Ellenbogen, Schienbeine, evtl. auch Schultern...) ergänzen. Ich überlege btw auch schon meine Darstellung durch diese Geschichten bis ins 14. JH zu "erweitern".
 
Die Darstellung von Historia Vivens sieht wirklich klasse aus, muss man sagen! Ich hatte nur mal vom Hörensagen davon gehört, über die Website bin noch nicht gestoßen, danke! Schade, dass das angegebene Puchberg am Schneeberg dann doch ca. 4 Stunden von mir weg ist, obwohl ich nahe der österreichischen Grenze wohne, aber vielleicht melde ich mich bei denen ja trotzdem mal! :) Auch die Literaturliste, die dort angegeben ist klingt relativ vielversprechend. Da ich mich bisher von Darstellungen mit Rüstung ferngehalten habe: Ein Historiker hat mir dafür mal diese "Men-at-Arms"-Bücher von Osprey empfohlen, aber als ich mir die so angesehen habe, war ich etwas skeptisch, taugen die wirklich etwas, weißt du das zufällig? Etwa so wie du es mit den Plattenelementen beschreibst, stelle ich es mir vor. Auf welche Darstellung zum Ergänzen hattest du dich jetzt bezogen? Ich weiß nicht genau, wo ich sie auf der Website finde, sollte sie von dort gewesen sein. Wie steht es eigentlich mit Handschuhen, ist der angepeilte Zeitraum für (einfache) Panzerhandschuhe noch zu früh? Sollte man dann vielleicht doch noch eher zum langärmligen Kettenhemd greifen? (Hast Recht, durch diese Elemente lässt sich eine Darstellung anscheinend recht gut in eine spätere Zeit übertragen ;)
 
Die Osprey-Werke (wobei man da nocheinmal zwischen den Einzelnen differenzieren muss) sind in Ordnung um sich einen Überblick zu verschaffen, aber ersetzen auf keinem Fall "echte" Quellenarbeit und Recherche. Afaik gibt es diverse Darstellungen (evtl. auch Funde) von entsprechenden Plattenteilen im bzw. aus dem frühen 14. JH, spontan fallen mir ein paar Quellen aus England, Frankreich und Spanien ein, die aber in der Form auch nicht unbedingt repräsentativ für das HRR sind: http://manuscriptminiatures.com/bible-tours-bm-ms08/5032/ http://manuscriptminiatures.com/roman-de-thebes-francais-60/2067/ http://manuscriptminiatures.com/bible-historiale-francais-8/2058/ Sehr interessant finde ich noch diese Darstellungen (besonders die Helme): http://manuscriptminiatures.com/blb-cod-st-peter-perg-92/855/ http://manuscriptminiatures.com/blb-cod-st-peter-perg-92/856/ http://manuscriptminiatures.com/sachsische-weltchronik-sbb-ms-germ-2o129/2871/ Für Panzerhandschuhe ist es definitiv zu früh, ggf. könnte man nocheinmal Kettenfäustlinge diskutieren (für die es zumindest Indizien gibt). Ansonsten auf jeden Fall ein langärmeliges Kettenhemd als Ritter, ggf. mit angesetzen Handschuhen.
 
@Hermann: Gut, dann sind die Ospreys wohl schon mal eher nichts für mich, bloß einen Überblick scheint das Geld mir dann doch eher nicht wert zu sein, aber hat halt schöne Zeichnungen drin, ne? Die von dir geposteten Darstellungen sehen interessant aus, obwohl es bei den Händen nicht immer so klar zu erkennen ist, was da wohl getragen wird. Bei dem ersten sieht es irgendwie so "nietenbesetzt" aus, bei Nummer zwei und drei nach einer Art Kettenfäustlingen. Bei dem vierten Bild, hast du da eine Ahnung, was die beiden Reiter wohl an den Händen tragen? Irgendwie kann ich das grade gar nicht einschätzen, es sei denn es ist wirklich nur ein heller Stoff bzw. Leder. Insbesondere so wie der vordere Reiter aussieht wirkt es schon ganz gut, an so ein frühes Bascinet mit Klappvisier hatte ich eigentlich auch gedacht. Weißt du vielleicht, wann in etwa die ersten Panzerhandschuhe dann aufkamen? Und wie sah in dieser Zeit dann mit Kettenhemden aus? Meine Darstellung hatte ich immer mit Halbarm-Kettenhemd und schlichten, früher Panzerhandschuhen vor Augen, aber wenn ich bei rund 1320 bleiben möchte, muss ich mich davon ja offenbar verabschieden. ^^ Daher kämpfe ich grade mit mir, ob ich nicht doch etwas später ansetzen sollte/könnte. Gäbe es ansonsten zu den Kettenfäustlingen irgendwelche Alternativen? @BabbsaggMoe: Vielen Dank! Ich werde mich mal ein bisschen mit den Zeiten und Orten spielen, wer weiß, worauf man so stößt! ;-)
 
Hallo, Genau. die Ospreys sind (je nach Ausgabe) ganz gut für nen Überblick und liefern teilweise ganz nette Interpretationsansätze (einige Zeichnungen sind wirklich klasse, keine Frage), aber diese Werke sind keine Komplettanleitungen, nach denen du deine Darstellung aufziehen kannst. Zu den Links von mir: Ich würde sagen, dass dort auch Kettenhandschuhe dargestellt sind. Wann genau die ersten "Plattenhandschuhe" aufkommen, weiß ich so spontan nicht. Ich hab aber mit nem Freund gesprochen und wir werden nocheinmal recherchieren (gerade habe ich etwas wenig Zeit), wobei ich der Meinung bin, dass in der Zeit (ca. 1350) schon Handschuhe mit aufgenieteten Platten üblich waren - aber gerade rein spekulativ und ausgehend von einigen Abbildungen, die ich im meine im Kopf zu haben (und ich meine auch auf der von dir verlinkten Abbildung kann man sowas vermuten). Ich kanns dir aus dem Stehgreif aber wirklich nicht verbindlich sagen. Achja und auf dem vierten Bild würde ich von einfachen Lederhandschuhen o.ä. ausgehen - ich kenne solche auch mit "kleinen Schwebscheiben" auf dem Handrücken von befreudeten Darstellern. Aber auch da müsste ich nach Quellen suchen / fragen. Die Sache mit den Kettenhemden ist auch etwas problematischer und von vielen Faktoren abhängig (etwa Region, Stand und andere "individuelle Faktoren"...). Für eine (praxis-)taugliche Rüstung ist das aber nicht unbedingt ein "must have". Wie du aber auch gesagt hast: gerade wenn du dich etwas später ansiedelst, ist das mit dem Kurzarm m.E. i.O.. Wenn wir jedoch wieder von 1320-1330 reden: Eine Alternative zu den Fäustlingen sind -wie gesagt- evtl. extra Kettenfingerlinge, dann aber immernoch ein langärmeliges Kettenhemd, ansonsten wäre es eher sinnfrei solche Handschuhe zu tragen. Weiterhin: Für die Darstellung brauchst du nicht unbedingt Panzerhandschuhe, fürs "Kämpfen" kannst du dann ggf. spätere Modelle oder auch moderne Handschuhe nutzen.
 
Zuletzt bearbeitet:
@Patty Nun bin ich wirklich kein Spezialist für diesen Rüstungstyp, aber bin mir etwas unsicher, ob dieses Stück für unsere Gefilde überhaupt repräsentativ ist bzw. stammt dieses Stück wohl aus dem italienischen Raum und ist eher die Ausnahme, oder?
Die Italiener haben im SpäMi großflächig Rüstzeugs exportiert (Im Museum in Glasgow gibt es sogar eine, die sich nach Schottland verirrt hat ;) ). Man kann zwar davon ausgehen, dass die Dinger teuer waren, aber ich weiß auch nicht in welche Richtung der Threadersteller gehen will. Allerdings passt die Rüstung von der Churburg wirklich nicht in´s Zeitfenster, sie sollte auch nur als Beispiel dienen. --------------------------- @Ritter von Taeuffenbach: Fragmente von Kettengeflecht hat man aus Visby mehrere, unter anderem sogar eine Kettenhaube.
 
Und afaik gibt es auch genug spätere Funde und Quellen für Kettenpanzerung (Andreas Bichlers Original ist nach seiner Aussage ja "um 1500" datiert), aber hier gings ja darum, ob das Halbarm-KH für solch eine Darstellung taugt. Noch kurz zur Matsch'en: Das ist mir klar, dass diese Stücke exportiert wurden, aber zumindest mir ist keine ältere Quelle für so eine Rüstung bzw. kein älteres Stück bekannt. Ich fragte mich lediglich, ob dieser Typ damals schon bei uns "en vogue" bzw. eher noch üblich war und das ist m.E. nicht der Fall, wenn man die Quellenlage betrachtet. Ob man diese Quelle trotzdem verwendet, hängt dann natürlich von der (persönlichen) Ausrichtung der Darstellung ab.
 
Ich habe im Augenblick leider keine Zeit lange zu posten - die Entwicklungen von Mode und Rüstung im 14. Jhdt. sind ja eine Passion von mir. Vielleicht schaust Du mal zur Orientierung auf die Seite von Fabian Griesler http://www.thetten1320.de/ der just die von Dir angestrebte Zeit mit einer sehr guten Ritterdarstellung macht. Im großen und ganzen kann man aber sagen, dass zu diesem Zeitpunkt im Rüstwesen noch keine großen Unterschiede zwischen Nord- und Süddeutschland geherrscht haben. Ketten-/Ringpanzer ist um 1320 noch der vorherrschende Panzertyp - gerade hier in Deutschland. Es gibt einige HInweise auf Plattenröcke und als erstes Platten-Verstärkungen an den Knien und Schienbeinen. Ich meine auch die ersten Stücke an den Ellenbogen gesehen zu haben, müsste da aber noch einmal nachsehen. Ansonsten ist sicher die Manesse-Handschrift eine gute Bildquelle für Dich. Sollte es Dich nach mehr Panzer gelüsten, so wären sicher die späteren Zeiten interessanter für Dich. Gerade im 14. Jhdt. bietet sich aber auf jeden Fall eine Eingrenzung der eigenen Darstellung auf rund 20 Jahre an. Im Mittelalter hat´s da sonst keine Zeit, die über so schnelle Mode- und Rüstungswechsel verfügt. Bis denn Thorsten
 
@Hermann: Wenn ich bei 1320 bleibe, dann wird es also vermutlich eher auf die Kettenhandschuhe hinauslaufen. Als ich nach den aufgenieteten Platten suchte, kam ich einmal mehr auf Wisby, von dort gibt es auch die Wisby-Handschuhe, die wohl mit zu den frühesten Panzerhandschuhen gehören, sie sind noch eher schlicht und grob gehalten, aber sie gefallen mir persönlich z.B. viel besser als all die verzierten spätgotischen Versionen. Mit dem Kettenhemd bin ich jetzt am überlegen, vielleicht sollte ich doch zum langärmeligen greifen, denn dann mache ich zumindest nichts verkehrt, egal ob sich die Rüstung am Ende nun in das eher frühere oder mittige 14. Jahrhundert bewegt. Damit auch @Thorsten: Danke für die Seite von Fabian Griesler, vor allem die Ausführungen und detaillierten Beschreibungen im Bereich "Wehrwesen" sind sehr informativ und hilfreich. Der Ringpanzer, den er dort trägt gefällt mir gut, kann ich also davon ausgehen, dass auch die längeren Kettenhemden mit dem "Schlitz" zumindest während der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts gängig waren? (Dummerweise sind genau die wohl auch immer die teuersten, sind natürlich auch f+ür gewöhnlich am meisten Ringe verarbeitet). Wo wir schon dabei sind, habt ihr Tips, wo man sowas zu humanem Preis erwerben kann? Ich habe mir für das Projekt zwar ein gutes Budget gespart, aber man will ja trotzdem nicht über seine Verhältnisse leben, also wäre es gut, ein bisschen kalkulieren zu können. Ich brauche keine Mega-Titanium-Super-Spezial-Versionen, einfach etwas solides vernietetes das ein bisschen was aushält und nicht gleich an Ringen verliert (ein Bekannter von mir hatte mal eins dieser verzinkten Billigdinger, binnen weniger Wochen fehlten am Kragen und unter den Armen die ersten Ringe). An einen Kauf denke ich noch nicht, aber eine gewisse Übersicht über das Angebot wäre gut. Mit der Manesse-Handschrift werde ich mich gewiss auseinandersetzen, nach allem was ich gelesen habe ist das ja so gut wie Pflicht. In der Tat muss ich, wie du schon sagtest, dann doch zugeben dass es mich ein klein bisschen mehr nach "Panzer gelüstet", hehe. Mein ursprünglicher Gedanke war eigentlich in etwa dieser: Bascinet/Beckenhaube mit Brünne bzw. Kettenhaube darunter (geht das auch?), ein zeitlich passender Gambeson mit einem Kettenhemd, darüber ein schlichter Brustpanzer mit ebenso schlichten, runden Schulterplatten, an den Händen einfache Panzerhandschuhe, z.B. im Stil der Wisby-Handschuhe, eventuell Buckel für die Ellenbogen und/oder Oberarmschienen. Der Arm ist also nicht eingehüllt in Panzerplatten, sondern das Kettengeflecht ist noch deutlich sichtbar. Mit den Beinen war ich mir noch nicht sicher gewesen, vielleicht Beinschienen und evtl. Kettenbeinlinge darunter? Der Gedanke ist also eigentlich, dass das Kettenhemd als sichtbare Basis da ist, aber die Glieder, Schultern und Torso schon weitgehend geschützt werden, aber eben noch nicht komplett eingehüllt sind, so wie das dann z.B. schon auf den Bildern von Eduard, dem schwarzen Prinzen usw. erkennbar ist. (obwohl die normalen Ritter seiner Zeit vielleicht ja eher noch sowas hatten, wie ich es mir denke, und er eben die noch brandneue "high tech" Rüstung hatte? ^^) Zumindest diesem Konzept nach ist 1320 also vielleicht tatsächlich zu früh angesetzt, oder?
 
Jo, mit diesem Konzept fähst Du wohl besser im Bereich 1340 - 1360. Da würde ich mich mal bei Effigies and brasses und die Sammlung der Medieval Combat Society umtun, da gibt´s einige schöne Sachen und dazu - um einen Überblick zu bekommen - Talbots Statistiken . Und dann kannst Du mit den Recherchen anfangen .. ;) Ich mache selber 1350 - 1360 - hier hat man ganz gute Variationsbreiten, wenn auch noch keinen Vollmetallgliederschutz (außer Schienbeine) und kann sich ganz gut eine Rüstung nach und nach zusammenstellen. Bis denn Thorsten
 

Neueste Beiträge

Oben